Donnerstag, 12. November 2009

Das Pausenbrot ist verspeist, jetzt geht es weiter!


Nach einer fast 2-Jährigen Unterbrechung werden ab sofort die Gießkannen wieder ausgepackt und die kurz vor dem Verwelken stehende Blogwiese wird wieder begossen mit interessanten Obskuritäten aus den Bereichen Musik, Film und Kokolores. Viel Spass.

Freitag, 23. November 2007

YEASAYER - Brooklyn meets the world

Sie machen in letzter Zeit immer mehr von sich reden, die Acts, die uns bekannte Musikversatzstücke aus Pop, Folk, Elektronika mit afrikanischen Sounds von Hi-Life bis äthiopischem Jazz kombinieren und dadurch frischen Wind zu uns bringen: seien es VAMPIRE WEEKEND, ADRIAN ORANGE, A.J. HOLMES, HIGH PLACES oder YEASAYER (um nur einige wenige zu nennen).
YEASAYER kann man jedoch nicht einfach so in die Schublade Ethno-pop stecken, da sie - ähnlich wie ANIMAL COLLECTIVE, an die sie hin und wieder auch erinnern - ein großes Glas aufmachen und darin alles, was ihnen vor die Finger kommt zu einer leckeren Marmelade verrühren: von 80er-Pop über afrikanischem Gitarrenpicking, psychedelischem Folk, irischem Shantyakkordeon bis hin zu elektronischen Klangexperimenten. Sie selbst sehen sich unter anderem beeinflußt von Leonard Cohen, Phil Collins, Cindy Lauper und Prince. Für diesen Sound gibt es keine Schublade außer dem in letzter Zeit wieder ausgekramten Weltmusik.
Nachzuhören auf myspace und morgen im Gebäude 9 in Köln - im Vorprogramm zu GRAVENHURST. Schade dass sie nicht in Berlin spielen...
Hier ein paar Bilder aus der Music Hall von Williamsburg (gefunden bei pitchforkmedia):



































Yeasayer - Ah Weir

Montag, 20. August 2007

NÄHER AN SICH HERANWACHSEN

"Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München ... mit zehn Minuten, ohne, dass Sie am Flughafen noch einchecken müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Flughafen ... am ... am Hauptbahnhof in München starten Sie Ihren Flug. Zehn Minuten. Schauen Sie sich mal die großen Flughäfen an, wenn Sie in Heathrow in London oder sonst wo, meine sehr ... äh, Charles de Gaulle in Frankreich oder in ... in ... in Rom. Wenn Sie sich mal die Entfernungen anschauen, wenn Sie Frankfurt sich ansehen, dann werden Sie feststellen, dass zehn Minuten Sie jederzeit locker in Frankfurt brauchen, um ihr Gate zu finden.
Wenn Sie vom Flug ... vom ... vom Hauptbahnhof starten - Sie steigen in den Hauptbahnhof ein, Sie fahren mit dem Transrapid in zehn Minuten an den Flughafen in ... an den Flughafen Franz Josef Strauß. Dann starten Sie praktisch hier am Hauptbahnhof in München. Das bedeutet natürlich, dass der Hauptbahnhof im Grunde genommen näher an Bayern ... an die bayerischen Städte heranwächst, weil das ja klar ist, weil auf dem Hauptbahnhof viele Linien aus Bayern zusammenlaufen." Prost und gute Fahrt, Herr Schaff... äh, Ministerpräsident.

Faun Fables - Dream On a Train

Kevin Ayers - Stop This Train (Again Doing It)

Freitag, 17. August 2007

BRONNT INDUSTRIES KAPITAL

Anläßlich des mehrtägigen Berlin-Aufenthalts dieser grandiosen Truppe um Max Webertron und Klaus Wickermann aus Bristol habe ich Auszüge aus einem kurzen aber sehr interessanten Email-Interview mit dem französischen Onlinemagazin Autres Directions ins Deutsche Übersetzt:
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AD: Was ist die treibende Kraft hinter eurer Musik? Welche Künstler haben euch am meisten beeinflußt?
BIK: Der Hauptantrieb hinter unseren Produkten sind: die Kräfte des Marktes, der globale Wettbewerb, technologische Innovationen. BIK zielt darauf aus, seine Kunden mit der für sie richtigen Musik - die sich zeitgenössischen musikalischen Trends entgegenstellt - zufriedenzustellen. Wir streben nach absoluter Kundenzufriedenheit; falls wir selbst die Musik auch noch mögen, ist das nur ein Bonus.
AD: Gibt es andere Bands aus Bristol, die euch nahestehen? Seht ihr eure Musik in der Nähe zu zB Manyfingers oder Matt Elliott?
BIK: Matt Elliott hatte einen großen Einfluß auf unsere musikalische Vision; wie auch immer, er besitzt viel Underground - Glaubwürdigkeit und künstlerische Integrität. Wir haben keine Glaubwürdikeit. Wir sind geldgierige Unternehmenskapitalisten.
AD: Wie arbeiten Max und Klaus zusammen?
BIK: Max und Klaus arbeiten symbiotisch zusammen, um eine Vision von totaler, von totaler musikalischer Größe zu schaffen. Gelegentlich arbeiten wir auch getrennt, zB wenn einer von uns den Raum verläßt, um Tee zu machen.
AD: Wie kam es zu dem Deal mit Static Caravan?
BIK: Es ist kein Deal; es ist ein kooperatives Verhältnis in Ehre und Vertrauen. Static Caravan lasen in der Kulumne über aufstrebende Märkte im Economist Magazine über BIK.
AD: Eure Musik klingt oft etwas alt, so als ob es sie schon eine ganze Weile gibt. Ist das etwas, woran ihr arbeitet? Den Grundcharakter von BIK's Musik?
BIK: Siehe unten...
AD: Seid ihr Multiinstrumentalisten? Auf Virtute Et Industria habt ihr viele Instrumente benutzt wie zB Flöte, Klarinatte, Klavier ... Habt ihr diese Instrumente gespielt? Wie würdet ihr den kreativen Prozeß von BIK beschreiben? Wie klingen BIK live? Spielt ihr live auf Instrumenten?
BIK: Vieles von dem, was zB wie Klarinette, Flöte etc. klingt, ist eigentlich auf Leppings Patented Lapwing [Kiebitzflügel] Harmonium entstanden. Das war der viktorianische Vorläufer des Mellotrons. Das Mellotron benutzte Tonband-Loops mit vorher aufgenommenen orchestralen Samples. Das Lapwing Harmonium arbeitet mit einer Auswahl von Metallrohren, Scheiben und leeren Gefäßen, Glas- und Bakelitplatten (Bakelit = frühe Form von Plastik), welche von filzbedeckten Hämmern (wie beim Klavier) und Greifern (wie beim Cembalo) angeschlagen werden, die aus echten Klauen von seltenen Tieren angefertigt wurden, die auf Spaß-Jagden in Rhodesien erlegt wurden.
Lepping war ein britischer Kolonialherr und begeisterter Sammler von ausgestopften Tieren. Die Geräusche des Harmoniums, die sich wie vom Mund gemacht anhören, entstehen dadurch, dass Luft durch die konservierten Kehlköpfe von getrockneten, geschrumpften Pygmäenköpfen, ausgestopften Vögeln und Tieren, die in einer Kammer im Inneren des Harmoniums aufgehängt sind, gepumpt wird.
Andere Geräusche entstehen durch komplexe chemische Reaktionen.
Der ganze Mechanismus ist untergebracht in einem massiven schmiedeeisernen Gehäuse, mit einer Kabine, in die man hineingeht. Innendrin steht ein Samtstuhl für den Performer, damit er im Sitzen die 9-Oktaven-Ebenholz-und-Elfenbein-Tastatur spielen kann.
Die ganze Maschine ist größer als ein großes Klavier und gleicht eher einem Walk-In-Kühlschrank als einem Musikinstrument. Natürlich braucht man einen Kran, um es anzuheben, und darum benutzen wir es bei Liveauftritten nicht. Bei den Shows benutzen wir deshalb nur Sampler, Klarinetten, Gitarren, Keyboards und so.
Der kreative Prozeß ist schwer zu beschreiben. Manchmal tauche ich völlig betrunken bei Max auf und werfe wahllos Dinge auf das Harmonium und nehme das dann auf. Die besten Stücke benutze ich als Samples. Max schreibt oft ein ganzes Stück in seinem Kopf, malt dann ein Bild, um es auszudrücken, und dieses Bild interpretiere und performe ich dann wieder. Es ist wie musikalische Stille Post.
AD: Eure Musik ist manchmal sehr leise, manchmal episch, manchmal düster und filmisch, manchmal nur aus geloopten melodien bestehend...Virtute et Industria eine Sammlung aus Songs, die ihr im Verlaufe einiger Jahre geschaffen habt. Wie habt ihr euch das erste Album gewünscht? Wie betrachtet ihr es jetzt?
BIK: Wir sind sehr zufrieden mit dem Album, weil es den Leuten gefallen hat. Wir haben keine eigene Meinung darüber. Die Kundenzufriedenheit ist der einzig wichtige Faktor.
AD: Was hat Virtute Et Industria für BIK verändert? Arbeitet ihr jetzt an einer neuen LP? Arbeitet ihr weiterhin mit Static Caravan zusammen?
BIK: Wir arbeiten an einem anderen Album, welches etwas peppiger wird als Virtute Et Industria. Es zielt auf den Tanzmusik- und Computerspielemarkt. Gleichzeitig haben wir vor, Häxan herauszubringen, eine Musikmontage , die wir für den Schwedischen 20er Jahre Film "Häxan: Eine Geschichte der Hexerei" produziert haben. Wir werden weiterhin so lange mit Static Caravan zusammenarbeiten, bis sie uns überdrüssig werden.

Bronnt Industries Kapital - Maggots In The Rice
Bronnt Industries Kapital - Knights Of Vipco


Link zu der AUTRES DIRECTIONS Seite
Link zur BRONNT INDUSTRIES KAPITAL Homepage
Link zu STATIC CARAVAN
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Wer sich das Lapwing Harmonium von den Benutzern selbst beschreiben lassen möchte, hat bald an mehreren Tagen Gelegenheit dazu:
26. August 2007 / Live @ Bar 25, Berlin
27. August 2007 / Live Performance of Häxan @ Zentrale Randlage, Berlin
28. August 2007 / DJ-Set @ Bar 25, Berlin. Supported by WAR AGAINST SLEEP live!

Ich jedenfalls werde mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen!
Ansatzweise läßt sich wohl eine Ähnlichkeit zu Matt Elliott, Manyfingers, Crescent, War Against Sleep, Knowledge Of Bugs, Library Tapes, Machinefabriek und anderen herstellen.
Am besten aber macht ihr euch selbst ein Ohr:

THE BRONNT INDUSTRIES SPACE

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Nachtrag zu der Konzertreihe in Berlin:
Es kam natürlich völlig anders als erwartet. Musikalisch haben BRONNT sich seit dem letzten Mal dass ich sie gesehen habe, in Richtung leicht düsteren 80s angehauchten Space-Krautrock-Disco bewegt. Die beiden Konzerte (eins im KIM und eins in der BAR 25) waren sehr geil - im KIM war es leider sehr leer, in der BAR etwas voller. Wäre schön, wenn die Boys das Material mal zum Erwerben rausbringen würden. Auf ihrer Myspaceseite findet sich mit "Knights Of Vipco" eines von den neueren Stücken.
Der Abend in der ZENTRALEN RANDLAGE (RIP) war großartig: ich glaube nicht, dass man HÄXAN hätte schöner vertonen können. Von TARTAN gibts den Film mit BRONNT Soundtrack jetzt zu kaufen.

THE BIRDS

Ein paar Gedanken zu Alfred Hitchcocks 1963er Film "Die Vögel" (The Birds):
Vordergründig scheint es in diesem Film um eine Katastrophe in der kalifornischen Kleinstadt Bodega Bay zu gehen - diese wird von einer Riesenschar mordlustiger Krähen, Möven und anderer Vögel überfallen.
Im Zentrum des Geschehens stehen die San Franciscoer High Society Dame Melanie Daniels (gespielt von Hitchcocks damaliger Neuentdeckung Nathalie Kay "Tippi" Hedren), Tochter eines Pressezaren, Mitch Brenner (Rod Taylor) - ein Anwalt, der seine Kanzlei in SanFrancisco hat und seine Wochenenden immer bei seiner Mutter und seiner Schwester in Bodega Bay verbringt, und Mitchs Mutter und Schwester Lydia und Cathy.
Mitch und Melanie lernen sich in einer Zoohandlung in San Francisco kennen: Mitch sucht lovebirds für seine Schwester, welche bald Geburtstag hat, Melanie sucht mynah birds (Beos, Synchro: Mynah-vögel!) für ihre Tante.
Hier hat die deutsche Synchronisierung übrigens totalen Bockmist gebaut: lovebirds wird mit Sperlingspapageien übersetzt - das ist zum einen ornithologisch falsch (Die Liebesvögel haben auch im Deutschen einen bedeutungsschwangeren Namen, nämlich Unzertrennliche) und zum anderen fehlt im folgenden Dialog zwischen Mitch und Melanie die knisternde Erotik der englischen Fassung.
Was sagt uns das? Hitchcock sollte man immer in der englischsprachigen Originalversion anschauen, um sich der Hintergründigkeit, dem Witz und der versteckten Anspielungen sicher zu sein.
Der weitere Verlauf der Geschichte:
Sowohl Mitch als auch Melanie verlassen die Tierhandlung ohne das Beabsichtigte gekauft zu haben. Melanie besorgt sich über Umwege die Adresse von Mitch in Bodega Bay und fährt dorthin, mit zwei lovebirds im Gepäck, um diese Mitchs Schwester zu schenken.
Ab Melanies Ankunft in Bodega Bay ist es vorbei mit der Ruhe (wie später im Film eine hysterische Frau auch richtig meint). Die Vögel sind da!

Es ist nicht das erste Mal, dass Vögel in einem von Hitchcocks Filmen eine große Rolle spielen. Schon in Psycho tauchten sie an verschiedenen Stellen auf: Am Anfang des Films fliegt die Kamera mit einer Art Adlerperspektive über Phoenix, Arizona bis in das Hotelzimmer von Marion Crane. Im Bates Motel hängen viele ausgestopfte Vögel in Normans Büro, lauernd an der Wand. Die Kamera nimmt häufiger eine Vogelperspektive ein.
In Birds jedoch wird offensichtlich, was in Psycho eher im Hintergrund gezeigt wurde: Die Vögel stehen für das jede "normale" sexuelle Beziehung verhindernde Dazwischensein der Mutter - zwischen ihrem Sohn und seiner Geliebten. Sie sind die ausführenden Organe der mütterlichen Eifersucht bzw. Verlustangst. Die Lücke, die durch den Tod des Mannes entstanden ist, wird gefüllt durch die übermäßige Sorge um das Wohl des Sohnes - der vor der angeblich nackt in römischen Bädern lustwandelnden Melanie (Fellini läßt schön grüßen) beschützt werden muss.
Am Ende des Films, nachdem Melanie sich von der verwöhnten Millionärstochter in eine kämpferische Frau verwandelt hat und ihre Qualitäten als Ehefrau vor der Mutter bewiesen hat, und nach ihrem Leidensweg in den Armen Mitchs Mutter liegt - wie Jesus in den Armen der Pieta - haben auch die Möven und Krähen ihre Angriffslust verloren. Sie haben ihre läuternde Aufgabe erfüllt und werden nicht mehr gebraucht. Jetzt dürfen die lovebirds wieder ins Bild.
The Birds ist einer der Hitchcocks, in denen man auch nach wiederholtem Anschauen neue Aspekte entdeckt und somit nicht langweilig wird. Als Kind gruselt man sich vor dem Tierhorror, als "aufgeklärter Erwachsener" versucht man das Rätsel der Hitchcockschen Motive und Symbole zu knacken. Toller Film.

Hala Strana - Hell Birds

The North Sea - Eternal Birds